01.03.2015

Der Schäfer und der Apfelgarten am Hohenhäuselhang


Von alters her gehört zum Gut Grünsberg der sogenannte Hohehäuselhang. Soweit wir das in den Archivalien der Stiftung zurückverfolgen konnten, war das schon immer ein bewirtschafteter Obstgarten, heute würde man sagen, eine Streuobstwiese. Die letzte große Baumpflanzaktion fand 1939 statt, mit lauter Apfelsorten, die zum Saftmachen und Einmachen selber verwendet und auch verkauft wurden. Es gibt sogar genaue Pläne, welche Bäume wo gepflanzt wurden.
Der alte Apfelbaumplan Diese Streuobstwiese war auch immer eingezäunt gewesen, die Reste des alten Zaunes sind in den wuchernden Hecken noch vorhanden. Die Wiese war bis etwa 1980 an Christof Blos zum Mähen verpachtet gewesen, die Äpfel wurden zum Saftherstellen verwendet. Das war für uns Kinder immer eine besondere Leckerei, der Grünsberger Apfelsaft! Da die Wiese zwischenzeitlich nicht mehr zu verpachten war, setzte eine Zeit der totalen Verwilderung und Verbuschung ein. Die alten Apfelbäume lebten zwar weiter, begannen aber, da sie nicht entsprechend gepflegt und beschnitten wurden, zu vergreisen. Der Wald begann, sich die Wiese zurückzuholen. Auch die Brennesseln gediehen prächtigst, da sie im Herbst wunderbar mit Äpfeln gedüngt wurden. Die Menschen vergaßen, dass es sich hier um Privat- (jetzt Stiftungs-)Besitz handelt, und nutzten den Apfelgarten nach freiem Belieben. Etliche Jahre kümmerte sich niemand mehr um den alten Apfelgarten, bis mein Mann und unsere ehrenamtlichen Helfer begannen, die wilden Baumschösslinge aus den alten Apfelbäumen zu entfernen, die Brennnesseln niederzumähen und zu entfernen und die ganzen flächenhaft ausgebreitenen Waldbäumchen mühseligst abzuschneiden. Das kostete sehr viel Kraft und ging auch nicht ohne Blessuren ab, da die übriggebliebenen "Steckerla" so manchen ins Straucheln brachten.
Schnittgut Mein Mann und ich nahmen 2014 an zwei Obstbaumpflegekursen der "Hersbrucker Streuobstinitiative" teil, wo wir auf Gleichgesinnte trafen, die uns mit Rat und Tat halfen. So wurden die alten Bäume von einem Pomologen, einem Apfelkundler, bestimmt, sofern sie Früchte trugen, und die Namen in das Luftbild des Landwirtschaftsministerium eingetragen.

Der neue Der alte Apfelbaumplan Ursprünglich hatten wir ja vor, die Wiese selber zu bewirtschaften, so naturnah wie bisher, doch reichten unsere Kräfte nicht dafür aus, die Wiese mehrfach im Jahr per Hand zu mähen. Deswegen waren wir ungeheuer glücklich, dass wir sie im Januar 2015 an einen Schäfer verpachten konnten, der in der Nähe wohnt und versprach, mehrfach im Jahr mit seinen Schafen zu beweiden. Man stelle sich unser Entsetzen vor, als wir herausfinden mussten, dass dem Schäfer der Zaun mehrfach durchschnitten wurde, die Schafe auf die Straße rannten und beim 2. Mal derartiger Untat sogar 12 Schafe auf Nimmerwiedersehen verschwanden! Noch größer unser Entsetzen und unsere Abscheu: beim 3. Mal Beweiden wurden wieder die Zäune durchschnitten, der Stromgenerator geklaut und fünf (!) Schafe mit vergifteten Brotbrocken getötet! Was können die armen Tiere (und auch unser Pächter, der durch solche Gemeinheiten im Jahr 2015 mehr als 6.000 Verlust hatte) dafür, dass manche Menschen nicht akzeptieren können, dass nicht (mehr) alle Flächen immer frei begehbar sind! Da wir alle sehr empört über diese Tierquälereien waren und sind, hatte ich die Redaktion von der Sendung "quer" angeschrieben und über die Vorfälle in Kenntnis gesetzt. Die Redaktion kam an einem Montag Nachmittag, um im Dorf, wie das bei "quer" üblich ist, Interviews mit den Anwohnern zu machen. Am Donnerstag zuvor hatte mein Mann 5 Hochstammapfelbäumchen, die extra für uns gepfropft worden waren, an die Stelle schon längst gestorbener Apfelbäume gepflanzt, damit der Apfelgarten eine Zukunft hat. In der Zeit zwischen Montag Abend und Dienstag Mittag, als wir mit dem "quer"-Team das nächste Mal auf der Wiese waren, hat irgendjemand alle 5 neu gepflanzten Apfelbäumchen mit einem glatten Schnitt unterhalb der Veredelungsstelle geköpft! Selbstverständlich haben der Schäfer und wir Anzeige bei der Polizei erstattet, die ermittelt und auch schon einen konkreten Verdacht hat. Wenn jemand damit unzufrieden ist, dass er nicht mehr einfach so über unseren Grund und Boden stapfen kann, wie es ihm beliebt, dann soll er sich bei mir melden, das mit mir ausdiskutieren, anstatt sich hinterhältig an Tieren und Bäumen zu vergreifen! Zum Glück für die Stiftung und den Hohenhäuselhang ist der Schäfer hartnäckig und wirft nicht gleich die Flinte ins Korn. Er wird auch 2016 mit seinen Schafen wiederkommen, zuvor aber mit uns zusammen eine Informationsveranstaltung machen mit den Themen: "Stiftung" und "naturnahe Schafhaltung". Hoffentlich hilft das was!


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