30-Jun-2020

Nach 35 Jahren zurück an seinem angestammten Platz


Vor genau 35 Jahren ließ mein Vater die Bibliothek im 1. Stock des Palas nach seinen Wünschen herrichten. Leider gibt es keine Bilder von dem Zustand meiner Kinderzeit, aber das war ein für wunderbarer Raum, voller meist offener Regale mit Büchern jeder Kategorie, die ich alle lesen durfte. Der Raum als solcher war sehr dunkel, hatte eine lilafarbene Tapete und an der Decke in einer Stuckleiste ein sehr dunkles Bild, in dem man mit Mühe einen übergroßen Blütenkranz erkennen konnte.
Beim Abnehmen erlitt dieses Bild massive Schäden. Meines Wissens nach gab es nur noch Teil- Fotos davon in einem Restaurationsbericht von 1985.

Man kann auf den Bildern gut erkennen, wie stark das Bild verdunkelt und wie sehr der Firnis krepiert war.
Deckengemälde Restaurationsbericht In dem Restaurationsbericht gab es auch Fotos von der Lattung, die unter dem Bild zum Vorschein gekommen war. Rechts erkennt man ein Stück des hölzernen Rahmens, auf den das Bild augezogen gewesen war.
Stuckrahmen nach Bildabnahme 1985 Ich ging davon aus, dass das Deckengemälde für immer verloren gegangen sei,und war sehr betrübt, da es mir immer gefallen hatte.
Aber, oh Wunder: zufällig wurde es 2016 beim Ausräumen des "Archiv" wiedergefunden. Es war dort 30 Jahre lang über einer großen Pappkartonrolle "mit dem Gesicht nach innen" aufgerollt und mit Klebebändern vorīm Abrollen gesichert aufgehoben worden.

Unsere Restauratoren haben es gerettet und uns dann entrollt gezeigt
Deckengemälde wiedergefunden und entrollt Sofort stand mein Entschluß fest, das Deckengemälde muß unbedingt restauriert werden und zurück an seinen Platz! Da es so lange zusammengerollt gelagert war, mußte es zunächst einmal einfach flach gelagert werden. Insbesondere die Ränder waren sehr "zusammengekrümpelt"
Rand verkrümpelt und hatten viele Nagellöcher, wo das Bild auf dem hölzernen Rahmen aufgenagelt gewesen war.
Nagellöcher, nach dem Planieren Da in so alten Häusern nie etwas weggeworfen wird, haben wir zufällig auch noch den originalen hölzernen Rahmen, auf den das Bild aufgezogen gewesen war, wiedergefunden. Der mußte erst mal begast und dann repariert werden, bevor er wieder verwendet werden konnte.
Nach vieler Arbeit, Strecken, Löcherstopfen,
Intarsien und Fadenbrücken Firnisabnahme, behutsame Retusche usw kam es am 10. Juni 2020 nach Hause.
Reinigungsprobe

Wir hatten während des dritten Bauabschnittes der Generalsanierung einfach eine dünne Gipskartonplatte in den Stuckspiegel eingefügt, um die dahinter liegende Lattenkonstruktion
Lattenkonstruktion zu schützen.
Gipskarton Dieser wurde nun in mühsamer Arbeit (ständig miit den Armen über dem Kopf) von unseren Restauratoren wieder entfernt
Gipskarton entfernen ebenso wie der später hinzugefügte innerste Stuckring, der vom Stil auch ganz anders als die restliche Stuckierung war, damit das Bild beschädigungslos wieder an seinen angestammten Platz passen könnte.
Mit und ohne Stuckring Nun endlich war es soweit: das Bild wurde behutsam, nachdem es noch einen Rückenschütz bekommen hatte, wieder an seinem Heimatplatz befestigt, nach 35 Jahren Abwesenheit!
an Ort und Stelle! Dies ist der Zwischenzustand, noch ohne neue Stuckleiste.
Bild an Ort und Stelle ohne Stuckleiste An den darauffolgenden Donnerstagen hat dann unser Restaurator den Stuckring mitsamt Schattenfuge ergänzt
Leiste ergänzt, ungestrichen und gestrichen. Mein lieber Mann hat auch die alte Lampe wieder an ihren Platz in der Mitte des Bildes installiert. Nun ist es fertig und hängt in voller Schönheit (viell klarer als in meiner Kinderzeit) und verschönert die Bibliothek ganz ungemein. Unser tiefempfundener Dank geht an alle Menschen, die uns mit Spenden und Arbeit für dieses Projekt unterstützt haben. Die Stiftung alleine hätte es wohl -zumindest in diesem Zeitrahmen- nicht stemmen können.
fertig!


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