30-Apr-2020

Das Verwaltershaus ist fertig!


Nach 2 jähriger Generalsanierung konnten wir die Generalsanierung des Verwaltershauses von Burg Grünsberg Ende Dezember 2019 erfolgreich abschließen. Im Laufe dieser Zeit haben wir einige erstaunliche Entdeckungen gemacht. So wissen wir nun durch dendrchronologische Untersuchungen, dass das Verwaltershaus von 1562 stammt. So stammt die Haus aus der Zeit des Wiederaufbau nach dem Markgrafen-Krieg, wo Albrecht Alkibiades von Ansbach-Kulmbach-Brandenburg im ganzen Nürnberger Land gebrandschatzt hat. Endres Oertel hat den Wiederaufbau veranlasst. Allerdings in anderer Form: es war offenbar im Erdgeschoss ein durchgehender steinerner Stall mit Außentreppe zum 1. (Fachwerk-) Wohnstockwerk und zwei Fachwerkgiebeln (West und Ost). Der Westfachwerkgiebel bekam 1725 einen steinernen Giebel vorgestellt, der im Osten ist noch der originale Fachwerkgiebel aus der Bauzeit.
Ostgiebel

Im Jahr 1846 gaben die hölzerne Stützen und der hölzerne Unterzug der Ställe nach, das Wohngeschoß senkte sich bis um 60 Zentimeter ab. Es wurde sehr geschickt mit Stützen wieder hochgedrückt und stabilisiert. Damals haben meine Vorfahren auch die Wände des Obergeschosses aus Sandstein herstellen lassen und die Ställe mit echten Kreuzgratgewölben aus dem eigenen Tuffstein und dicken Sandsteinsäulen stabilisiert. Noch in meiner Kinderzeit gab es darin Kühe und Schweine, die Pferde standen in der "Burgkapelle" gegenüber.

Die Treppe wurde von außen nach innen verlegt und dazu einfach auf den Kopf gestellt! Das ist damals mit Kreide auf der Rück- und Unterseite der Treppe aufgeschrieben worden und heute auch noch lesbar.
Treppenbeschriftung.1846. Unterseite

Nachdem das Verwaltershaus im Ostteil viele Jahre lang den Gutsverwaltern, wenn sie denn da waren, als Büroraum und Aufenthaltsort gedient hatte, und das Westzimmer zur Billard-Wohnung dazugerechnet worden war, fiel es in Gänze bei der Erbauseinandersetzung 1993 an meinen Vater, der es 19998/99 im Rahmen des ersten Bauabschnitts der Generalsanierung soweit hergestellen ließ, dass es, mit Innenisolierung und Heizung versehen, bewohnbar war und vor Fertigstellung 2000 bezogen wurde. 2015 zogen diese Bewohner endgültig aus, dann dauerte es nochmals 2 Jahre, bis die nötigen Gelder, Genehmigungen und Untersuchungen für eine richtige Generalsanierung da waren. Es stellte sich heraus, dass das Verwaltershaus in seiner Standsicherheit stark geschädigt war und kurz vor’m Einsturz stand. Wir sind sehr stolz, das wir es retten konnten und dass es seine ursprüngliche Schönheit wieder zeigt!
Fassade April 2020

Die Wohnung umfasst das ganze erste Obergeschoß des Verwaltershauses, isoliert und beheizt ringsherum mit einer Hypokaustenheizung (einer Vormauerung vor die Außenwände mit Hohlziegeln, angeschlossen per Fernwärmeleitung an die Pelletsheizung im Haupthaus, die einen Warmluftschleier vor den Sandsteinaußenmauern bildet (Kachelofenwärme))
Hypokaustenziegel

Der Westraum erstreckt sich über die gesamte Breite des Gebäudes, mit einer Bohlenbalkendecke von 1562 (aus der Bauzeit des Gebäudes).
Bohlenbalkendecke

An der Nordseite ist die vom Schreiner gefertigte Buchenholzküche inklusive Herd und Backofen, Dunstabzughaube, Spüle und Spülmaschine eingebaut. Die Südhälfte des Raumes ist als zur Küche offener Essraum gedacht. Der Raum hat 5 Fenster nach 3 Seiten und hat einen hölzernen Fußboden mit fränkischem Eichenfries, zum Teil noch mit den originalen Brettern aus der Bauzeit.
Küche

An den Westraum schließt sich ein Gang an, von dem die übrigen Räume abgehen: zuerst ein fensterloser kleiner Raum für Waschmaschine und Trockner, der auch ein Gästeklo und ein Waschbecken enthält. Er ist, wie auch das sich daran anschließende Bad, gefliest mit unempfindlichen Fliesen, die aussehen wie Solnhofener Platten.
Haushaltsraum

Das Bad enthält eine doppelsitzige Badewanne, die über die Hypokaustenheizung mit erwärmt wird. An der Wanne oberen Ende befindet sich die Duschabtrennung. Daneben ist der Handtuchheizer angebracht, der im Sommer auch elektrisch betrieben werden kann. Dann folgen Klo und großzügiger Waschtisch.
Bad

Der nächste Raum ist das sogenannte "Durchgangszimmer" mit historischem Unterzug und Balkendecke, bei denen die Originalfarbe wiederhergestellt wurde. Er hat einen LAN- und einen Antennen-Anschluß und ist als Wohnzimmer gedacht.
Durchgangszimmer

Blick vom Durchgangszimmer durch den Flur auf’s Westzimmer

Duchgangszimmer Ostblick

Das Durchgangszimmer endet in zwei Türen. Nach einem Gängchen und der vorgebauten Vorratskammer, die ungeheizt ist, (beide mit Original-Fliesen von 1875, die wir vor ein paar Jahren ausgebaut im Haupthaus gefunden hatten)
Abortle

folgen Eltern-und Kinderzimmer.
Elternzimmer

Eltern- und Kinderzimmer und auch das Wohnzimmer haben jeweils Fußböden aus Kiefernholz.
Kinderzimmer

Über das Treppenhaus kommt man mit einer historischen offenen Treppe auf den Dachboden, der mit einer isolierten Doppelfalltür gegen den Wohnbereich abgeschlossen ist.
Speichertreppe

Der Dachboden ist zur Wohnung hin im Fußboden isoliert, wobei die originalen Fußbodenbretter so weit möglich wieder verwendet wurden. Zum Dach hin ist er aus Denkmalschutzgründen nur verbrettert. Aus Brandschutzgründen darf dort nicht allzu viel gelagert werden.
Speichertreppengewichte, Dachboden

An der Westseite gibt es noch eine Stube mit Fenster und Fußboden aus der Bauzeit. Sie ist an drei Seiten und oberhalb der Decke isoliert, so dass man sie zumindest im Frühling, Sommer und Herbst als Gästezimmer verwenden kann. Auch sie hat einen LAN-Anschluß.
Stube

Seit Ende Februar 2020 ist das Verwaltershaus von einer jungen Familie mit Baby und Hund bewohnt, so dass nun alle drei (dem Denkmal entsprechend modernisierten) Wohnungen im Burggelände wieder belebt sind (der ehemalige Donjon "Billard" im Innenhof, die Pächterwohnung –Teil der sogenannten Burgkapelle, und das Verwaltershaus).
Gesamtansicht April 2020

Doch hören die Baustellen noch nicht auf: durch die jahrhundertelange Nutzung als Kuh- und Pferdeställe sind Böden, Wände und Säulen der Ställe unter dem Verwaltershaus so stark versalzen, leider auch hausschwammverseucht, dass wir dringend jetzt sanieren mußten. Deswegen wurde das originale Sandstein-Kopfsteinpflaster vorsichtig herausgenommen (es wird derzeit gewässert, um die Salzbelastung zu verringern und es später im Pferdestall wieder einbauen zu können), die schwammversuchten Fugen wurden entfernt und durch schwammsperrendes Material ersetzt, überflüssige Vormauerungen wurden entfernt und Säulen und Wände erhielten einen Opferputz, um über diesen das Salz zu verringern. Und dann wollen wir diese wunderbaren Räume für Veranstaltungen und Seminare öffentlich nutzen.
Pferdestall

Opferputz im Kuhstall

Impressionen
Die Treppe in ihrer originalen Farbigkeit!

Oberer Treppenabsatz

Geländer, noch ungestrichen

Treppenfundament

Technikraum


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